Wartezeit überbrücken – für Eltern

Ihr wartet auf die Abklärung für euer Kind – und die Zeit zieht sich. Der Termin ist oft Monate entfernt, manchmal über ein Jahr. Diese Wartezeit ist zermürbend. Hier findet ihr, was ihr jetzt schon tun könnt – ohne der Diagnostik vorzugreifen.

Vertraut eurem Bauchgefühl – und lasst es prüfen.

Wenn ihr seit Langem spürt, dass mehr dahintersteckt, dann nehmt das ernst; niemand kennt euer Kind wie ihr. Lasst euch nicht mit „das wächst sich aus“ abspeisen. Zugleich ist die Diagnostik keine Gegnerin – sie schaut, ob es ADHS ist und ob noch etwas mitspielt. Beides zusammen hilft eurem Kind mehr als ein schnelles Etikett.

Was ihr jetzt schon tun könnt

  • Beobachtungen sammeln. Kurz notieren: Wann klappt was, wann eskaliert es, was hat geholfen? Das ist das Wertvollste, was ihr in die Diagnostik mitbringt.
  • Struktur nach außen. Sichtbare Abläufe, klare Übergänge, weniger gleichzeitige Reize – das entlastet euer Kind sofort, ganz ohne Diagnose.
  • Schlaf und Pausen. Schlafmangel verstärkt jedes Symptom, bei Kindern wie bei Erwachsenen.
  • Beziehung vor Erziehungstechnik. In der Wartezeit trägt Verständnis mehr als jedes System. Und: Macht die Wartezeit nicht zum Reparatur-Projekt – euer Kind ist nicht kaputt.
  • Nicht allein tragen. Termine fürs Elterncafé findet ihr in unserem Veranstaltungskalender.

Kein Selbsttest fürs Kind – eure Beobachtungen zählen

Für Kinder gibt es bewusst keinen Fragebogen zum Ankreuzen. Die Einschätzung gehört zur Fachdiagnostik. Was wirklich zählt, ist eure Beobachtung über den Tag, in der Schule und zu Hause – die nehmt ihr mit in die Diagnostik.

Ihr fragt euch, ob ihr selbst betroffen sein könntet? Viele Eltern von ADHS-Kindern sind es – und erkennen sich beim Warten selbst. Für euch als Erwachsene gibt es Orientierung auf unserer Seite für Erwachsene.

Die Diagnostik vorbereiten

  • Eure Beobachtungen (siehe oben) – konkrete Situationen statt „irgendwie schwierig“.
  • Zeugnisse und Rückmeldungen aus Kita/Schule.
  • Familiäre Häufung notieren (auch eigene Diagnosen oder Verdachte).
  • Eure größten Sorgen und Fragen, aufgeschrieben.

Die Diagnose ist eine Chance – für euer Kind.

Nicht, um ein Etikett zu tragen, sondern um sich nicht länger an anderen messen zu müssen. Um die eigenen Ressourcen und Schwächen kennenzulernen und zu ihnen zu stehen. Um zu begreifen: Ich bin nicht falsch – ich bin anders.

Ihr braucht keine Diagnose, um zu uns zu kommen.

Das Elterncafé steht auch denen offen, die es erst vermuten. Psychoedukation und der Austausch mit Eltern, die dasselbe erleben, helfen in der Wartezeit – unabhängig davon, was am Ende herauskommt.

Bücher, Videos & verlässliche Quellen

Kuratiert – mehr auf unserer Wissenssammlung.

  • Ein Kopf voll Gold (Saskia Niechzial) – wertschätzend, praxisnah, für den Familienalltag.
  • Das große ADHS-Handbuch für Eltern (Russell A. Barkley) – fundiert und einfühlsam.
  • „Gemeinsam wachsen“ – der Elternratgeber ADHS (Born/Oehler, Kohlhammer) – Verhalten & Konflikte in Familie und Schule; die Beziehungs- und Konfliktebene, ohne die auch Lernstrategien ins Leere laufen.
  • Lernen mit ADHS-Kindern (Born/Oehler, Kohlhammer, 12. Aufl. 2023) – konkrete Lernstrategien für Schule und zuhause (Rechnen, Lesen, Rechtschreiben).
  • ADHS in 90 Minuten – Vortragsreihe des ADHS Deutschland e.V. auf YouTube (u.a. Schule, Vorschulalter, Jugendhilfe).
  • adxs.org – sehr umfangreich, eher zum Nachschlagen.

Wichtige Hinweise

  • Keine Diagnose. Diese Seite informiert und überbrückt.
  • Anlaufstellen & Kosten. Konkrete Wege im Kreis Mettmann findet ihr auf unserer Hilfsangebote-Seite. Speziell für unsere Region: Offizielle Anlaufstellen im Kreis Mettmann (EUTB, SPZ, Beratungsstellen, Jugendamt).
  • Wenn es akut zu viel wird: TelefonSeelsorge, kostenfrei, anonym, rund um die Uhr: 0800 111 0 111 · 0800 111 0 222 · 116 123.

Zum Elterncafé Kontakt