Coaching für Erwachsene

ADHS-Coaching ist ein individueller Trainings- und Begleitansatz, der Erwachsenen (und auch älteren Jugendlichen) hilft, ihren Alltag mit ADHS besser zu strukturieren. Ein ADHS-Coach unterstützt z.B. bei Zeitmanagement, Organisationsstrategien, Zielplanung und dem Aufbau gesunder Routinen. Coaching ist keine Psychotherapie, sondern ein praxisorientiertes Training, das Betroffenen dabei hilft, ihre persönlichen Ziele trotz ADHS-Verhaltensmustern zu erreichen.

Das Angebot

Beim ADHS-Coaching handelt es sich um eine eins-zu-eins-Begleitung, die auf die individuellen Bedürfnisse der betroffenen Person zugeschnitten ist.
Zu Beginn analysiert der Coach gemeinsam mit dem Klienten dessen Alltag: Wo treten Probleme auf? Typische Baustellen sind zum Beispiel das Organisieren von Aufgaben (beruflich wie privat), das Einhalten von Terminen und Fristen, das Aufräumen und Haushalten, oder das Strukturieren von Arbeitsprozessen. Der Coach und der Klient definieren klare, realistische Ziele – etwa „Ich will lernen, meine Arbeitstage durchzuplanen“ oder „Ich möchte weniger prokrastinieren und Aufgaben rechtzeitig erledigen“.
Anschließend erarbeitet der Coach praktische Methoden: Das können konkrete Tools sein (Kalendersystem, Aufgabenlisten, Reminder-Techniken) oder Verhaltensübungen (z.B. Techniken gegen Aufschieberitis, Impulskontrolle in Meetings). Der ADHS-Coach trifft sich regelmäßig (oft wöchentlich oder zweiwöchentlich) mit dem Klienten – das kann persönlich oder auch per Video-/Telefonkontakt erfolgen – und reflektiert die Fortschritte. Zwischen den Sitzungen setzt der Klient die vereinbarten Strategien im Alltag um. Beim nächsten Treffen werden Hindernisse besprochen und Anpassungen vorgenommen.

Ein guter ADHS-Coach vermittelt nicht nur Planungstechniken, sondern stärkt auch das Selbstvertrauen: Viele Klienten lernen, ihre Stärken zu nutzen und lernen mit ihren typischen „ADHS-Macken“ umzugehen, anstatt ständig dagegen anzukämpfen. ADHS-Coaching ist lösungsorientiert und findet auf Augenhöhe statt – der Coach ist eher ein Trainer/Mentor, kein Therapeut.
Ziel ist, dass der*die Betroffene zunehmend eigene Strategien entwickelt, um trotz Konzentrationsschwächen oder Chaotik erfolgreich und zufrieden zu leben. Häufig berichten Klient*innen, dass sie durch das Coaching endlich praktische „Werkzeuge“ an der Hand haben, um das umzusetzen, was sie theoretisch längst wissen.

Zugangsvoraussetzungen

ADHS-Coaching ist derzeit keine Kassenleistung, sondern ein freiwilliges Angebot auf dem freien Markt. Das heißt, man muss sich selbst einen ADHS-Coach suchen und die Kosten in der Regel selbst tragen.
Zugangsvoraussetzung im formalen Sinne gibt es nicht – man benötigt keine Überweisung oder Diagnose-Nachweis, allerdings spezialisieren sich seriöse Coaches oft auf Personen, die tatsächlich eine ADHS-Diagnose (oder einen starken Verdacht darauf) haben. Wichtig ist die Bereitschaft des Klienten, aktiv am eigenen Verhalten zu arbeiten.

Zur Suche eines Coaches kann man z.B. bei ADHS-Deutschland e.V. oder anderen Verbänden anfragen, die oft Listen mit geschulten ADHS-Coaches führen. Manche Psychotherapeut*innen bieten nebenbei Coaching an (privat bezahlt). Ein Vorgespräch klärt, ob Coaching im individuellen Fall sinnvoll ist oder ob eher eine medizinisch-therapeutische Behandlung Priorität hätte. Hat man einen Coach gefunden, werden zu Beginn meist die Ziele und der voraussichtliche Umfang vereinbart (Coaching-Vertrag). Kostenpunkt: Je nach Anbieter und Dauer können Coaching-Sitzungen im Stundensatz zwischen ca. 60–120 € liegen.

Zielgruppe

Primär Erwachsene mit ADHS, insbesondere diejenigen, die im Alltag mit Organisations- und Selbstmanagementproblemen kämpfen (z.B. Berufstätige, Studierende oder Haushaltende, die unter ständigem „Chaos“ leiden).
Auch ältere Jugendliche im Übergang zum Erwachsenenleben (Ausbildung/Studium) können von Coaching profitieren, wenn es um das Erlernen von Struktur und Eigenverantwortung geht. Coaching richtet sich an ADHS-Betroffene, die bereits motiviert sind, praktische Veränderungen vorzunehmen, und die bereit sind, zwischen den Sitzungen eigenständig an sich zu arbeiten.

Regionale Verfügbarkeit

ADHS-Coaches findet man in vielen größeren Städten; es gibt allerdings kein flächendeckendes Angebot wie bei Ärzten. Da Coaching aber auch telefonisch oder per Videokonferenz durchgeführt werden kann, nutzen viele die Möglichkeit von Fern-Coaching. So ist es durchaus üblich, dass jemand aus einer Region ohne Coach einen Online-Coach aus einer anderen Stadt engagiert. Anlaufstellen für die Vermittlung sind überregionale Organisationen (z.B. bietet ADHS Deutschland e.V. Informationen zum Thema Coaching). Insgesamt ist die Verfügbarkeit in Ballungszentren höher – dort werben einige spezialisierte Coaches oder Institute ihre Dienste an. In ländlichen Gebieten muss man eher auf Online-Lösungen ausweichen. Achtung: Da „Coach“ kein geschützter Begriff ist, sollte man auf Qualifikationen achten (idealerweise zertifizierter ADHS-Coach oder mit psychologischem Hintergrund).

 

Verwandte Artikel