Selbsthilfe und Austausch

 In Selbsthilfegruppen schließen sich betroffene Erwachsene, Eltern von ADHS-Kindern oder Jugendliche mit ADHS zusammen, um Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen. ADHS-Selbsthilfegruppen treffen sich regelmäßig (vor Ort oder online) und bieten einen Raum, offen über Schwierigkeiten zu sprechen, Tipps weiterzugeben und gemeinsam Lösungswege zu finden.
Bundesweit koordiniert z.B. der Verein ADHS Deutschland e.V. ein Netzwerk von lokalen Gruppen. Solche Angebote können enorm entlastend wirken, da man merkt, dass man nicht allein steht.

Das Angebot

Der Austausch mit anderen, die Ähnliches erleben, ist für viele ADHS-Betroffene und ihre Familien eine wichtige Hilfe.
In einer Selbsthilfegruppe kommen Menschen zusammen, die entweder selbst ADHS haben oder als Eltern ihre Kinder mit ADHS begleiten. Die Treffen finden meist in regelmäßigen Abständen (z.B. alle 2 Wochen oder monatlich) statt.
Eine typische Selbsthilfegruppensitzung kann so aussehen: In der Runde erzählen Teilnehmer*innen, wie es ihnen seit dem letzten Treffen ergangen ist, welche neuen Herausforderungen aufgetreten sind oder wo sie Fortschritte gemacht haben. Andere hören zu, zeigen Verständnis und schildern vielleicht eigene Erlebnisse in vergleichbaren Situationen. Oft entstehen so im Gespräch ganz praktische Ratschläge – etwa ein Elternteil berichtet, wie eine bestimmte Strategie beim Hausaufgabenstress geholfen hat; oder ein erwachsener Betroffener teilt mit, welche Apps ihm im Alltag Struktur geben.

Die Gruppen sind in der Regel moderiert, aber nicht von Therapeut*innen – meist übernehmen Betroffene selbst die Organisation (gelegentlich unterstützt von örtlichen Beratungsstellen). Wichtig ist das gegenseitige Verständnis: Niemand schaut einen schief an, wenn man erzählt, dass man den x-ten Schlüssel verloren hat oder dass das eigene Kind wieder eine Klassenkonferenz hatte – alle wissen, wie es ist.
Dadurch entsteht Gemeinschaftsgefühl und seelische Entlastung. Neben den Gesprächen organisieren einige Gruppen auch Vorträge von Fachleuten, gemeinsame Freizeitaktivitäten für betroffene Familien oder Info-Abende. Auch online gibt es regen Austausch: In Internetforen oder Facebook-Gruppen können sich ADHS-Betroffene rund um die Uhr austauschen.
Allerdings ersetzt das digitale Schreiben nicht ganz die persönliche Begegnung, bietet aber zusätzliche anonyme Hilfsmöglichkeiten. Selbsthilfe ist eine Ergänzung zur professionellen Hilfe – sie kann Mut machen, neue Ideen liefern und einfach das Gefühl geben, verstanden zu werden.

Zugangsvoraussetzungen

Es gibt keine formellen Voraussetzungen, um an einer ADHS-Selbsthilfegruppe teilzunehmen. Interessierte können meist ohne großen Aufwand dazukommen – oft reicht eine vorherige Kontaktaufnahme mit der Gruppenleitung (per Telefon oder E-Mail), um den nächsten Termin zu erfahren.
Die Teilnahme ist freiwillig und kostenlos. Erwartet wird lediglich Verschwiegenheit nach außen, damit ein vertrauensvolles Umfeld entsteht.

Manche Gruppen richten sich spezifisch an bestimmte Untergruppen (z.B. „Elterngruppe für Eltern von Teenagern mit ADHS“ oder „Erwachsenengruppe für ADHS-Betroffene“) – hier sollte man eine passende Gruppe auswählen, was aber keine strikte Voraussetzung ist. In größeren Städten gibt es meist mehrere Angebote, auf dem Land eventuell nur gemischte Gruppen. Informationen zu lokalen Gruppen erhält man über Selbsthilfe-Kontaktstellen oder z.B. über ADHS Deutschland e.V., der eine Liste aller gemeldeten Gruppen auf seiner Website führt.
Bei Online-Communities registriert man sich einfach auf der jeweiligen Plattform; auch hier gelten keine besonderen Bedingungen außer höflichem Umgang.

Zielgruppe

Je nach Gruppe variierend: Es gibt Selbsthilfegruppen für erwachsene Menschen mit ADHS, für Eltern von betroffenen Kindern (teils nach Altersstufen der Kinder unterschieden), für Jugendliche mit ADHS und sogar Gruppen für Partner oder Großeltern von ADHS-Betroffenen. Insgesamt richtet sich Selbsthilfe an alle, die im Austausch mit Gleichbetroffenen Unterstützung suchen – sei es, um Alltagsprobleme zu besprechen, sei es, um emotionale Rückmeldung zu erhalten. Die Zielgruppe sind also sowohl ADHS-Betroffene selbst als auch deren Angehörige, die lernen möchten, besser mit ADHS umzugehen.

Regionale Verfügbarkeit

ADHS-Selbsthilfegruppen gibt es in vielen Städten und Kreisen in Deutschland. Die Dichte ist unterschiedlich: In Ballungsräumen bestehen oft mehrere Gruppen (mit unterschiedlichen Schwerpunkten), während es in manchen ländlichen Regionen vielleicht nur ein Angebot im weiteren Umkreis gibt. ADHS Deutschland e.V. hat Landesverbände und Kontaktpersonen, die helfen können, eine Gruppe in Wohnortnähe zu finden. Über die Website des Vereins oder über die örtliche Selbsthilfekontaktstelle (meist angesiedelt bei Paritätischen Wohlfahrtsverbänden oder Kommunen) kann man die Informationen bekommen. Online-Selbsthilfegruppen (z.B. moderierte ADHS-Chatgruppen oder Foren) sind unabhängig vom Wohnort zugänglich, was insbesondere für Betroffene in Regionen ohne Gruppe eine gute Alternative darstellt.
Somit ist zumindest der virtuelle Austausch deutschlandweit möglich, während persönliche Treffen vom Wohnort abhängen.

Weblinks

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