In einer Verhaltenstherapie lernen Kinder z.B. Alltagsstrategien und den Umgang mit Stress;
Ergotherapie fördert Konzentration, Motorik und Strukturierung des Alltags. Solche Therapieangebote helfen ADHS-Kindern, bessere Bewältigungsstrategien zu entwickeln und entlasten dadurch auch das Umfeld
Das Angebot
Je nach Bedarf Ihres Kindes können verschiedene Therapieangebote eingesetzt werden, um Alltagsprobleme durch ADHS gezielt anzugehen.
In einer Verhaltenstherapie (durch Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen) lernt Ihr Kind zum Beispiel, wie es mit Wut und Frust besser umgeht, sich Schritt für Schritt selbst organisiert und seine Aufmerksamkeit länger auf Aufgaben lenkt. Oft werden dafür spielerische Methoden und Belohnungssysteme eingesetzt, die das Kind motivieren und ihm Erfolgserlebnisse verschaffen.
Eine Ergotherapie kann ebenfalls sehr hilfreich sein: Durch spielerische Übungen und Bewegungsangebote werden dort Konzentration, Fein- und Grobmotorik sowie Wahrnehmung trainiert. Zum Beispiel übt eine Ergotherapeutin mit Ihrem Kind, ruhig bei einer Aufgabe zu bleiben – teils mit Bewegungsspielen (etwa einem kleinen Hindernis-Parcours, der Konzentration erfordert), um überschüssigen Bewegungsdrang abzubauen.
Sowohl Verhaltenstherapie als auch Ergotherapie binden die Eltern intensiv mit ein: Eltern erhalten Beratung und Anleitungen, wie sie zu Hause die neu gelernten Fähigkeiten unterstützen und üben können. Die meisten dieser Therapien finden etwa einmal pro Woche als Einzelstunde (manchmal zusätzlich in kleinen Gruppen) statt und laufen über viele Monate. Wichtig ist, sich frühzeitig um einen Platz zu kümmern – oft gibt es Wartelisten.
Es empfiehlt sich, beim Kinderarzt oder Jugendamt nach örtlichen Angeboten zu fragen, da es je nach Region Wartezeiten geben kann.
Zugangsvoraussetzungen
Verhaltenstherapie (Psychotherapie) für Kinder mit ADHS wird vom Kinder- oder Jugendpsychiater bzw. Kinderarzt empfohlen oder direkt von Eltern beantragt. In der Praxis braucht es entweder eine Überweisung oder zumindest eine gesicherte Diagnose, um einen Therapieplatz zu erhalten.
Die Kosten übernimmt die Krankenkasse, aber ein Antrag über die Therapeut*in ist erforderlich (diese stellt nach probatorischen Sitzungen den Antrag an die Kasse).
Für Ergotherapie ist ein Heilmittel-Rezept vom Arzt nötig – der Kinder- oder Hausarzt kann eine Ergotherapie verordnen, die dann in einer ergotherapeutischen Praxis durchgeführt wird. Eltern müssen also zunächst das entsprechende Rezept besorgen und dann einen Ergotherapie-Platz suchen.
Beide Therapieformen haben begrenzte Kapazitäten: Wartelisten sind üblich, daher sollten sich Eltern möglichst früh um Therapieplätze bemühen.
Häufig können Beratungsstellen oder das Jugendamt bei der Vermittlung helfen. Teilweise bieten auch öffentliche Einrichtungen (Erziehungsberatungsstellen, Jugendhilfeträger) selbst Gruppen- oder Trainingsprogramme an – Erkundigen Sie sich vor Ort nach solchen Angeboten.
Zielgruppe
Kinder (und je nach Angebot auch Jugendliche) mit ADHS, die in bestimmten Bereichen gezielte Förderung benötigen – etwa beim Erlernen von Selbstregulation, sozialen Fähigkeiten oder alltagspraktischer Struktur.
Typisch sind Kinder, die trotz medikamentöser Therapie oder im Rahmen einer umfassenden Behandlung weitere Förderung brauchen, um besser mit ihren Defiziten umgehen zu können.
Auch Eltern sind hier indirekt Zielgruppe, da sie in die therapeutische Arbeit einbezogen werden (Elternanleitung).
Regionale Verfügbarkeit
Therapeutische Leistungen wie Verhaltenstherapie oder Ergotherapie stehen grundsätzlich überall in Deutschland zur Verfügung, da sie Teil des regulären Gesundheitssystems sind. Jedoch variiert die Dichte der Praxen: In städtischen Gebieten gibt es viele Psychotherapeut*innen und Ergotherapeut*innen, in ländlichen Regionen mitunter weniger, was längere Fahrten oder Wartezeiten bedeuten kann.
Es gibt auch spezialisierte ADHS-Programme in manchen Regionen (z.B. Sozialtraining in Jugendhilfe-Einrichtungen). Eltern können sich an Kinderärzte, die Kassenärztliche Vereinigung oder die örtlichen Beratungsstellen wenden, um Adressen zu erhalten.
Insgesamt gilt: Eine passende Therapie ist bundesweit möglich, jedoch muss man je nach Wohnort unterschiedlich viel Aufwand in Kauf nehmen, einen Platz zu finden.
